Ein Tanz auf dem Vulkan der Geschichte
Cabaret erzählt von einer schillernden Berliner Nachtwelt, die tanzt, liebt und feiert, während im Hintergrund eine der modernsten Demokratien zerbricht – und hält uns damit den Spiegel vor, wie verführerisch Verdrängung sein kann und wie zerbrechlich Freiheit ist.
Das Musical Cabaret bedeutet für die naturbühne gleich eine doppelte Premiere, denn es ist die erste Produktion, die in Kooperation mit Bayreuth Event & Festival e.V. im Reichshofaufgeführt wird. Dieses ehemalige Kino, das in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden ist, bietet die ideale Atmosphäre für dieses Stück, das zugleich schillerndes Unterhaltungsspektakel und messerscharfe Zeitdiagnose ist.
„Willkommen, Bienvenue, Welcome“ heißt es im Kit Kat Klub, jenem flirrenden Kosmos zwischen Glitzer, Sehnsucht und Abgrund. Basierend auf dem Theaterstück I Am a Cameravon John Van Druten und inspiriert von den Berliner Erzählungen des Schriftstellers Christopher Isherwood, erzählt Cabaret von der jungen Sally Bowles, vom amerikanischen Schriftsteller Cliff Bradshaw und von einer Gesellschaft, die tanzt, während am Horizont der dunkle Schatten des Nationalsozialismus aufzieht.
Die Musik von John Kander und die Liedtexte von Fred Ebb verbinden eingängige Melodien mit doppeltem Boden. Was zunächst nach Federboa und Charleston klingt, entpuppt sich als fein gesponnene Parabel über politische Verführung, gesellschaftliche Spaltung und das gefährliche Spiel mit Gleichgültigkeit. Die Songs auf der Bühne des Kit Kat Klub spiegelndie gesellschaftlichen Entwicklungen in dieser Zeit wider.
Gerade darin liegt die zeitlose, ja erschreckend aktuelle Kraft dieses Musicals. Cabaret blickt zurück ins Berlin der frühen 1930er Jahre und zeigt, wie fragile Demokratien ins Wanken geraten können, wenn Populismus, Angst und wirtschaftliche Unsicherheit das öffentliche Klima bestimmen. Die Frage, wie viel Haltung eine offene Gesellschaft braucht und wie schnell Freiheitsräume schrumpfen können, stellt sich heute mit neuer Dringlichkeit.
Die Naturbühne Trebgast nutzt die Atmosphäre des Reichshofs um den Kontrast zwischen ausgelassener Revue und gesellschaftlichem Umbruch eindrucksvoll sichtbar zu machen.
Mit Cabaret entscheidet sich die naturbühne bewusst für ein Stück, das nicht nur unterhält, sondern berührt und herausfordert. Es lädt das Publikum ein, hinzusehen, mitzudenken und sich der Frage zu stellen: Was passiert, wenn wir wegschauen?
Rechte: Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG | Hardenbergstr. 6 |10623 Berlin
TEAM
| Regie: | Anja Dechant-Sundby |
| Es spielen: | |
| Choreographie: | Monika Herzing |
| Musikalische Leitung: | Klaus Pfreundner |
| Kostüme: | N.N. |
| Bühne: | Ruth Pulgram |
| Lichtdesign: | Kai Fischer |










