Wann wird ein Mensch zum Monster? Machen wir Menschen zu dem, was wir in ihnen sehen?
Victor Frankenstein erschafft ein Wesen, das eigentlich nur eines sucht: Leben, Nähe und einen Platz in der Welt. Doch kaum erwacht es zum Leben, wird es zum Fremden. Die Menschen sehen in seinem Äußeren nur das Monster. Sie haben Angst vor ihm, stoßen es aus und begegnen ihm mit Gewalt. Niemand fragt, wer dieses Wesen eigentlich ist.
Je öfter man ihm sagt, was es ist, desto mehr beginnt es, sich selbst durch diese Zuschreibung zu sehen. Aus Ablehnung wird Einsamkeit, aus Einsamkeit wird Wut und aus Wut schließlich Gewalt. Doch ist das Wesen von Anfang an böse? Oder wird es durch die Reaktionen seiner Umwelt erst zu dem, was alle in ihm sehen wollen?
Mary Shelleys berühmter Roman erzählt deshalb nicht nur eine Schauergeschichte über Wissenschaft, Schöpfung und ein Monster. Er erzählt von der Macht unserer Vorstellungen. Wir sehen Menschen nicht immer so, wie sie sind, sondern so, wie wir sie zu sehen gelernt haben.
Das Monster ist dabei ein radikales Beispiel für etwas, das uns allen begegnet: Rollenbilder und Klischees. Der Starke soll stark sein. Die Frau soll fürsorglich sein. Der Mann darf keine Schwäche zeigen. Der Außenseiter bleibt der Außenseiter. Der Erfolgreiche muss funktionieren. Der „schwierige“ Mensch bekommt irgendwann nur noch Schwierigkeiten zugeschrieben. Und wer immer wieder auf eine bestimmte Rolle festgelegt wird, beginnt womöglich selbst, darin zu leben.
Wie viel von dem, was wir in einem Menschen erkennen, stammt tatsächlich von ihm und wie viel von unseren eigenen Erwartungen?
Frankenstein stellt damit eine unbequeme Frage: Was passiert, wenn wir Menschen nicht mehr die Möglichkeit geben, anders zu sein, als wir sie uns vorgestellt haben? Wenn aus einem Vorurteil eine Erwartung und aus einer Erwartung eine sich selbst erfüllende Prophezeiung wird?
Vielleicht ist das eigentliche Monster deshalb nicht nur das Geschöpf Frankensteins. Vielleicht steckt es auch in unserem Blick auf den anderen.
Eine Geschichte über Ausgrenzung und Zugehörigkeit, über Vorurteile und Selbstbilder, über die Rollen, in die wir andere stecken und aus denen wir selbst manchmal nicht herauskommen.
Denn die vielleicht entscheidende Frage lautet nicht „Warum ist dieses Monster so?“, sondern „Wer hat ihm beigebracht, ein Monster zu sein?“
Rechte: Sigurd Sundby | die naturbühne gGmbH
TEAM
| Regie: | Anja Dechant-Sundby |
| Kostüme: | Ruth Pulgram |
| Lichtdesign: | Kai Fischer |
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Theater Sommer 2027
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